Der Schalenstein auf dem Marktplatz Bischofsheim weist vier grubenförmige Vertiefungen auf, die jeweils sechs Liter Fassungsvermögen haben. Um die auf dem Getreidemarkt (der „Schranne“) üblicherweise verwendeten Holzgefäße („Metzen“) zu eichen, befüllte man eine Vertiefung mit Getreide und streichte die Oberfläche mit einem Holzscheid glatt („gestrichen voll“). Über eine nach außen zu öffnende Bohrung rinnte das Getreide in den Metzen. Im Volksmund wurden die Vertiefungen mit ihren seitlichen Öffnungen als „Narben“ = Nerbeln bezeichnet, wodurch der Stein zu seinem Namen kam.
Der Nerbelstein diente zu der Zeit, als Bischofsheim ein Zentgericht hatte, als Ort der Zur-Schau-Stellung eines Verurteilten vor seiner Hinrichtung.
Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg wurden in Bischofsheim gewerblich Tuche einfacher Qualität hergestellt. 1563 wurden zwei Walkmühlen bei Unterweißenbrunn und eine Färberei am Mühlwasser errichtet. Im Jahr 1680 waren 101 Tuchmeister tätig. Der Import von billiger Tuchware aus dem Ausland löste einen Rückgang des Gewerbes in Bischofsheim aus. Im Jahr 1776 waren nur noch 39 Meister vor Ort tätig. Nach der Gründung des „Polytechnischen Centralvereins“, dem Bau einer Tuchfabrik 1780 mit dem Einsatz verbesserter Webstühle erhöhte sich die Tuchqualität, der Absatz und die Erlöse. Nach der Auflösung des Fürstbistums Würzburg im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803 ließ das Großherzogtum Würzburg alle Tuche für die Bekleidung von Soldaten in Bischofsheim fertigen. Fast 100 moderne Webstühle und vier Färbereien waren in Betrieb. Eine gestiegene Nachfrage nach Wolle führte zur Hebung der Schafzucht. Messebesuche der Bischofsheimer Tuchmacher in Frankfurt, Würzburg, Bamberg und Erfurt erhöhten die Nachfrage. Die Arbeitslosigkeit aller Bevölkerungsschichten war gering, fast ein Drittel der Bevölkerung Bischofsheims war im Tuchgewerbe beschäftigt. Nach Angliederung Frankens an das Königreich Bayern fiel die Belieferung der königlich bayerischen Regimenter mit Tuchen durch die Bischofsheimer Betriebe weg. Nach Gründung des Deutschen Zollvereins 1833 fielen alle Zollbeschränkungen für Tuche aus anderen Ländern weg. Industriell hergestellte Tuchwaren aus Sachsen und Preußen läuteten den Niedergang des Tuchgewerbes in Bischofsheim ein. Ehemalige Tuchmacher wurden zu Tagelöhnern oder wanderten nach Amerika aus, um der Armut und dem Hunger zu entgehen.
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Im 16. Jahrhundert ist die bergmännische Eisengewinnung in der Nähe von Bischofsheim belegt. In der Stadt wurden eine Ofengießerei und ein Eisenhammer betrieben. Doch die Eisengewinnung war nur wenig lohnend, die Vorkommen wenig ergiebig. Der Eisenhammer wechselte häufig seinen Besitzer. Die gußeisernen Platten der Marktplatzbrunnen zeigen Relieffiguren von Rittern und Schilde mit dem Wappen des Fürstbischofs Julius Echter, des Domprobstes von der Kere, des Domdechants Neidhart von Thüngen, das Stadtwappen sowie Wappen der Mitglieder des Stadtrats. Die Brunnen tragen auf der Säule thronend einen Ritter als Symbol ritterlicher Tugend. Der obere Brunnen trägt die Jahreszahl 1582, der untere 1592. Alle Platten wurden in der einstigen Eisengießerei in Bischofsheim gegossen.



